Dalmatiner und Didacta – wie ein Hund mir Kooperatives Lernen und Classroom Management näherbrachte

Durch effiziente Klassenführung kann die Energie von Lehrkräften und SchülerInnen auf den Unterricht gerichtet werden

Durch effiziente Klassenführung kann die Energie von Lehrkräften und SchülerInnen auf den Unterricht gerichtet werden

Am Mittwoch auf der didacta in Köln habe ich mir den Luxus gegönnt und einen Workshop der GEW zum Thema Classroom Management besucht – ausgerichtet von Carmen Druyen, einer begeisterten Verfechterin des kooperativen Lernens (KL).

Begonnen wird mit einer KL-Übung nach dem Muster Think – Pair – Share: Eine Abbildung mit weißem Hintergrund und einigen obskuren schwarzen Flecken darauf soll von den Workshop-Teilnehmern gedeutet werden. Dazu denkt zunächst jede/r für sich darüber nach, was auf dem Bild zu sehen sein könnte (Think), findet einen Partner und bespricht mit diesem mögliche Deutungsansätze (Pair), um schließlich im Plenum die Schlüsselgedanken zu diskutieren (Share). Die Auflösung: Es handelt sich um einen Dalmatiner…

Schnell wird die Analogie zum Unterrichtsgeschehen und zur Klassenführung deutlich: Auch hier ist es ständig Aufgabe der Lehrenden, das Verhalten der Lerngruppe zu deuten, zu erkennen und Interaktionsmuster zu schaffen. Letztendlich geht es um klare Regeln und Rituale zur Schaffung einer konstruktiven und störungsarmen Lernatmosphäre. Wellenreuther definiert Klassenmanagement wie folgt: “Alle Aktivitäten, die das Interesse der Schülerinnen und Schüler auf den Unterricht lenken und sie somit von Verhaltensweisen abhalten, den Unterricht zu stören”. Wie bedeutsam effiziente Klassenführung ist, wird auch von der Bildungsforschung (z. B. Helmke 2007) immer wieder betont: Es gibt eine hohe positive Korrelation mit dem Lernerfolg. Durch effiziente Klassenführung kann die Energie von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern dann auf den Unterricht gerichtet werden (“aktive Lernzeit”). Dafür ist die Einführung und konsequente Umsetzung von Regeln, Routinen und Ritualen essentiell, die wesentlich dazu beitragen, Störungen vorzubeugen. Ebenso wichtig ist eine gute Vorbereitung des Unterrichts, durch die Längen und Brüche vermieden und eine sichere Lernatmosphäre geschaffen werden können.

Diesen Artikel weiterempfehlen und bewerten:

  • Gefällt mir überhaupt nichtGefällt mir nichtOKGefällt mir gutGefällt mir sehr gut (Keine Stimmen bisher)
    Loading ... Loading ...
avatar Über Christian Ebel

Seit 2004 Mitarbeiter der Bertelsmann Stiftung; Project Manager im Projekt “Heterogenität und Bildung”. Nach Lehramtsstudium, Referendariat und Lehrtätigkeit an der Realschule Steinhagen unterstützt Christian Ebel in der Stiftung den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von Lehrerinnen und Lehrern und sorgt für die Verbreitung von guten Beispielen für individuelle Förderung. Redaktionell verantwortlich für das Schulmagazin „Podium Schule“.

Kommentare

  1. avatar David Gerlach meint:

    Insbesondere die von Ihnen geschilderte Methode des Think-Pair-Share ist ein guter Ansatz für einen kommunikativ orientierten Fremdsprachenunterricht, der durch eben diese Methode – wenn stringent durchgeführt – bei den Schülerinnen und Schülern einen hohen Sprachumsatz generiert.
    Da die DESI-Studie z.B. festgestellt hat, dass der Lehrer immer noch im Fremdsprachenunterricht einen etwa 50%igen Redeanteil hat (d.h. 25 andere Schüler nur jeweils 2%), ist diese Methode ein guter Weg (in fast jeder Unterrichtssituation) nicht nur Kommunikation zu ermöglichen, sondern auch schwächere Schüler, die sich sonst im Frage-Antwort-Spiel des Lehrers nicht melden, kurz darüber nachdenken zu lassen.

Ihre Meinung ist uns wichtig

*