Von den Anderen lernen“ — wie die Grundschule Amshausen sich auf den Weg gemacht hat

 

Unterricht an der Grundschule Amshausen

Unter­richt an der Grund­schule Amshausen

Mit gutem Bei­spiel voran gehen, das ist dem Team der Grund­schule Ams­hau­sen im Kreis Güters­loh heute — nach acht Jah­ren Enga­ge­ment und tie­fer Über­zeu­gung für ein nach­hal­ti­ges Leh­ren und Ler­nen — ein Leich­tes. Dabei haben sich die Kol­le­gin­nen zu Beginn ihrer Umge­stal­tung selbst an guten Bei­spie­len ori­en­tiert. „Unser Selbst­ver­ständ­nis ist das einer ler­nen­den Insti­tu­tion“, so bezeich­net Annette Hell­mann, die Schul­lei­te­rin, ganz pla­ka­tiv die Ein­stel­lung des Kol­le­gi­ums. Hin­ter die­ser Ein­stel­lung ste­cken viele Erfah­run­gen und ein beein­dru­cken­des Engagement…

Es ist Frei­tag, der 9. Dezem­ber, 7.40 Uhr, als ich das Schul­ge­bäude der Grund­schule Ams­hau­sen betrete. Ich werde begrüßt mit einem herz­li­chen „Hallo“ von Frau Hell­man, die Besu­che die­ser Art gewohnt ist. „Wir sind ein offe­nes Haus, jeder ist will­kom­men, jeder ist ein­ge­la­den, Ein­blick in unsere Arbeit zu erhal­ten.“ Das zeugt mei­ner Ansicht nach von gro­ßer Authen­ti­zi­tät, denn nur wer nach innen trägt, was er nach außen prä­sen­tiert, kann eine sol­che Aus­sage mit Bestimmt­heit tref­fen. Ich habe die Erfah­rung gemacht, dass dies gerade im Leh­rer­be­ruf nicht immer selbst­ver­ständ­lich ist; so kann auch ich sagen, dass Schul– und Unter­richts­be­su­che durch­aus schon bei mir bewirkt haben, ein „beson­de­res Pro­gramm“ zu fah­ren. Nichts der­glei­chen spüre ich jedoch hier. Nach einer kur­zen Ein­wei­sung, wie der Tag für mich ablau­fen wird,  finde ich mich im Raum der jahr­gangs­über­grei­fen­den Ein­gangs­klasse, in dem „i-Männchen“ und Zweit­kläss­ler jahr­gangs­ge­mischt unter­rich­tet wer­den. „Rou­ti­niert“ denke ich und meine damit sowohl den  Emp­fang, als auch die Begrü­ßung durch die Klas­sen­leh­re­rin und das bereits emsige, aber struk­tu­rierte Trei­ben im Klas­sen­raum. Viele Kin­der haben sich bereits sor­tiert und fin­den sich nach und nach auf dem „run­den Tep­pich“ ein. Wie ich spä­ter erfahre ist die­ses sim­ple Uten­sil ein wich­ti­ges Struk­tu­rie­rungs­mit­tel und in allen Räu­men zu finden.

Dann geht’s wie von selbst los.

Die Kin­der gestal­ten den Mor­gen­kreis, mode­rie­ren, berich­ten und prä­sen­tie­ren. Leh­rer­an­lei­tung oder gar Leh­rer­zen­trie­rung sind hier offen­sicht­lich Fremd­worte. Wel­che Rolle hat also die Leh­re­rin? Wenn man nicht wüsste, dass es bis zu so einem ritua­li­sier­ten und eigen­ver­ant­wort­lich initi­ier­ten Ablauf auch einige Zeit der Hin­füh­rung bedarf, dann würde man sagen, die Leh­re­rin spiele keine große Rolle. Auch in der nach­fol­gen­den Unter­richts­phase macht sich die Leh­re­rin im posi­ti­ven Sinne weit­ge­hend über­flüs­sig, indem Sie die Kin­der durch die detail­liert vor­be­rei­tete Lern­um­ge­bung eigen­stän­dig arbei­ten lässt und als Bera­te­rin indi­vi­du­ell hilft. Dies erfor­dert viel Ver­trauen in die indi­vi­du­el­len Kom­pe­ten­zen der Kin­der, die sich laut Aus­sage auf bis zu 10 ver­schie­de­nen Leis­tungs­ni­veaus befin­den (beson­dere För­der­be­darfe und beson­dere Bega­bun­gen ein­ge­schlos­sen). Mir fällt auf, dass diese Lern­um­ge­bung intel­li­gent, lie­be­voll und trans­pa­rent gestal­tet ist:

  • Der runde Tep­pich: Er defi­niert das Raum­zen­trum, er hilft, sich unkom­pli­ziert und ohne Stühle zu rücken im Kreis zusammenzufinden.
  • Die Sofa­ecke: Die Sofa­ecke schafft neben einer „hei­me­li­gen Atmo­sphäre“ eine bequeme Rück­zugs­mög­lich­keit zum Lesen oder Besprechen.
  • Die Mate­rial­ord­nung: In den Rega­len und Schrän­ken im hin­te­ren Teil des Klas­sen­raums sind in farb­li­cher und the­ma­ti­scher Struk­tur alle didak­ti­schen Mate­ria­lien für alle Lern­ni­veaus greif­bar. Zusätz­lich fin­den sich über­all an den Wän­den in durch­dach­ter Struk­tur (Wie­der­er­ken­nung durch Far­ben und Sym­bole) Über­sich­ten und Hilfs­mit­tel für die Kin­der. Außer­dem gibt es ein­fa­che aber wir­kungs­volle Hel­fer, wie z.B. die Ohr­schüt­zer, die für kon­zen­trier­tes Arbei­ten in den Frei­ar­beits­pha­sen, in denen es schon mal geräusch­vol­ler zuge­hen kann, zur Ver­fü­gung stehen.   
  • Die Com­pu­te­r­ecke: Drei Com­pu­ter ste­hen bereit, die mit dif­fe­ren­zie­ren­den Lern­pro­gram­men (wie z.B. Anto­lin) aus­ge­stat­tet sind.

Diese Lern­um­ge­bung bie­tet den äuße­ren Rah­men für den gelin­gen­den Lern­pro­zess. Der innere Rah­men wird mit gro­ßem Bewusst­sein für die Indi­vi­dua­li­tät der Kin­der und Über­zeu­gung für den beschrit­te­nen Weg von den Leh­re­rin­nen definiert. 

Raumkonzept

Raum­kon­zept

Wie haben uns gemein­sam für unse­ren Weg entschieden“

Mit die­sen Wor­ten ver­deut­licht mir Frau Hell­mann den zen­tra­len Schlüs­sel, der zur Umkeh­rung der tra­di­tio­nel­len Lehr– und Schul­kul­tur geführt hat. Sie führt wei­ter aus, dass es vor acht Jah­ren, nach gro­ßen Anstren­gun­gen und weni­ger gro­ßen Erfol­gen im „alten Sys­tem“ den Punkt gab, da es offen­sicht­lich wurde, neue Wege in Rich­tung einer neuen, indi­vi­dua­li­sie­ren­den Lern­kul­tur zu beschrei­ten. Also hat sie sich mit ihrem Team deutsch­land­weit Best-Practice-Schulen ange­schaut mit dem Ziel, von die­sen Vor­bil­dern zu ler­nen. Neben den vie­len guten Ideen und einem engen Netz an Kom­pe­tenz­part­nern haben die Kol­le­gin­nen hier­bei jedoch etwas ebenso Wich­ti­ges gewon­nen: eine starke Team­kul­tur, die vom Mit­ein­an­der lebt:

  • Mit­ein­an­der eine Ent­schei­dung über die päd­ago­gi­sche Lehr-Lernkultur treffen,
  • Mit­ein­an­der nach Best-Practice-Ideen suchen,    
  • Mit­ein­an­der die Schu­l­um­welt (um)gestalten,
  • Mit­ein­an­der Unter­richts­ma­te­ria­lien ent­wi­ckeln und
  • Mit­ein­an­der die Kin­dern indi­vi­du­ell fördern.

Die­ses Mit­ein­an­der zahlt sich aus, nicht nur für die Kin­der, die bes­ser geför­dert wer­den kön­nen und nach­weis­lich zu bes­se­ren Ergeb­nis­sen (kein Sit­zen­blei­ben mehr, die „Feh­ler­quote“ der Schul­emp­feh­lun­gen ist fast gleich Null) kom­men. Auch das Wohl­be­fin­den der Leh­re­rin­nen ist durch das gegen­sei­tige Unter­stüt­zen und von den unter­schied­li­chen Kom­pe­ten­zen pro­fi­tie­ren deut­lich gestie­gen. Das Mit­ein­an­der geht jedoch noch wei­ter und hat zur Folge, dass nicht nur intern eine bes­sere Koope­ra­tion herrscht, son­dern auch Koope­ra­tio­nen mit unter­schied­lichs­ten exter­nen Part­nern (Eltern, Gemein­de­bi­blio­thek, Forst­be­trieb, AWO, Hei­mat­ver­ein, Sport­ver­ein, …) vor­an­ge­trie­ben wer­den. Auch hierin spie­gelt sich der Ansatz wie­der, von den Kom­pe­ten­zen der ande­ren zu ler­nen und zu profitieren.

Offen­heit  — Wert­schät­zung — Vertrauen

Schülerinnen an der Grundschule Amshausen

Schü­le­rin­nen an der Grund­schule Amshausen

Diese drei Schlag­worte blei­ben mir ins­be­son­dere hän­gen. Dabei spie­geln sie sich in allen Berei­chen und auf allen Ebe­nen der Grund­schule Ams­hau­sen wieder:

Es ist ein offe­nes Haus, dass offen ist für alle Kin­der, für alle Eltern, externe Part­ner­schaf­ten und Inter­es­sierte. Dar­über hin­aus aber auch — und das ist grund­le­gend — Offen­heit für neue Wege.

Die Poten­tiale aller Betei­lig­ten wer­den nicht nur (an)erkannt, son­dern auch als wert­voll gewür­digt. Das schafft Sicher­heit und motiviert.  

Unab­hän­gig von jeg­li­chen Schwä­chen oder Defi­zi­ten dem indi­vi­du­el­len Ver­mö­gen zu ver­trauen führt dazu, dass die Stär­ken in den Fokus rücken.

Durch diese Brille blickt es sich leichter…und Erfolge wer­den sichtbar.  

Katha­rina Korves

** Hier geht es zum Schul­por­trait der Grund­schule Ams­hau­sen im Viel­falt Ler­nen Wiki **

** Hier geht es zur Web­seite der Grund­schule Amshausen**

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