Englisch lernen mit analogen und digitalen Medien

Blogparade „Mit digitalen Medien besser lernen?“ Ja, aber…

Versuch einer Zusammenschau

Zunächst einmal Dank an alle, die sich an dieser Blogparade beteiligt haben! Dass es mehr als 30 Beiträge und viele, viele Kommentare jeweils zu den einzelnen Postings und auch auf Twitter gegeben hat, ist überwältigend. Mehr noch als die Menge der Blogposts aber hat mich die thematische Vielfalt und die Qualität der Beiträge beeindruckt: Von ganz konkreten Erfahrungen aus dem Unterricht bis hin zum reflektierenden Betrachtungen aus der Vogelperspektive, von positiven Einschätzungen der Möglichkeiten digitaler Medien bis hin zu eher kritischen oder ernüchterten Rückmeldungen reicht der bunte Reigen der Beiträge. Gerne möchte ich mit meinem Text versuchen, einige der genannten Aspekte aufzugreifen und zu würdigen – wohlwissend, dass ich nicht auf alle Argumente eingehen kann.

Raider heißt jetzt Twix… und aus „neuen Medien“ sind „digitale Medien“ geworden

Also alles kalter Kaffee? Die ganze Digitalisierungs-Debatte ist längst gelaufen, alles Relevante zum Thema ist schon zigmal gedacht und auch gesagt worden? Mir ist klar, dass das Thema „Lernen mit digitalen Medien“ überhaupt kein neues Thema ist. Als ich 1999 als Referendar an meine Ausbildungsschule kam, hatte ich das Glück, dort in einer der ersten Laptopklassen (sic! vgl. dazu den Kommentar von Torsten Larbig) Deutschlands hospitieren und später unterrichten zu dürfen. An dieser Schule gab es bereits vor 15 Jahren ein Mediencurriculum und in meinen Fächern (Englisch, Deutsch) wurden im „Laptopunterricht“ unterschiedliche Dinge erprobt, die heute in vielen Schulen selbstverständlich sind:

  • Nutzung von Textverarbeitung und Präsentationsprogramm im Unterricht zur Erstellung von Schülertexten bzw. zur Präsentation von Ergebnissen von Schülerarbeiten
  • Recherche von Informationen im Internet; es gab sogar „Webquests“ als komplexe Lehr- / Lernarrangements im Englischunterricht
  • Kooperative Gestaltung von eigenen HTML-Seiten (Text und Bild) mit dem Netscape-Composer (das würde man heute wohl eher mit Blogs oder Wikis machen)
  • Einsatz von multimedia-Programmen zum Vokabel- sowie Grammatiktraining
  • Erstellung interaktiver Übungsaufgaben (zu Wortschatz und Grammatik) mit dem Autorentool Hot Potatoes (das gibt’s heute immer noch; vgl. Pädagogik 1/15, S. 14 ff)
  • Arbeit mit Wörterbüchern und Lexika (damals noch auf CD-ROM; Online-Enzyklopädien wie die Wikipedia waren noch nicht erfunden!!!)

Der Art und Weise, wie an dieser Schule mit damals noch „neuen“ Medien gearbeitet wurde (und an vielen Schulen vermutlich immer noch gearbeitet wird), liegt selbstverständlich die Vorstellung zugrunde, dass die Funktion der Medien darin besteht, „zuvor festgelegte Lernziele zu erreichen“ und dass bei der Unterrichtsplanung überlegt wird, „mit welchen Methoden und Medien diese Ziele am besten zu erreichen sind“. Klafkis Primat der Didaktik gegenüber der Methodik bzw. der Medienwahl war und ist hier leitende Maxime. Im Gegensatz zu Axel Krommer halte ich dieses Vorgehen immer noch für eine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig leuchtet mir die Analogie zu den Möglichkeiten verschiedener Transportmittel (Postkutsche / ICE) unmittelbar ein: Der didaktische Mehrwert digitaler Medien kann sich nicht entfalten, wenn ausschließlich in den herkömmlichen Zieldimensionen gedacht wird. Es geht auch nicht (nur) darum, schneller oder effizienter zu sein, sondern neue Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Offensichtlich besteht dabei aber immer auch die Gefahr, in alte Muster zurückzufallen: In seinem Youtube-Video zeigt Krommer sehr plastisch, wie stark z. B. die Mechanik von Learning-Apps an Skinners Teaching Machine erinnert. Als weiteres Beispiel, das nichts mit programmierter Unterweisung zu tun hat, könnte an dieser Stelle auch das interaktive Whiteboard angeführt werden, wenn es im Klassenzimmer lediglich als Ersatz für Tafel und Kreide genutzt wird.

Anlass der Blogparade waren für mich dementsprechend folgende Fragen: Wenn digitale Medien mehr als nur ein Substitut für die analogen Medien sein sollen (vgl. das SAMR-Modell von Puentedura wie beschrieben bei Martin Lindner und Daniel Bernsen), worin bestehen dann ganz konkret die zusätzlichen didaktischen / methodischen Möglichkeiten? Wie erweitert sich dadurch das Handlungsrepertoire von Lehrkräften? Wie werden Schülerinnen und Schüler damit in ihrem Lernen unterstützt? Welche Ziele lassen sich mit digitalen Medien erreichen, die vorher vielleicht nicht erreichbar waren?

 

Sieben Beispiele für einen unaufgeregten, pragmatischen Umgang mit digitalen Medien im Unterricht

Die Beiträge der Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis zeigen, dass die Bandbreite des Einsatzes digitaler Medien extrem groß ist. Das Spektrum reicht vom Hilfsmittel, das eher punktuell eingesetzt wird (vgl. etwa Christian Spannagels Beitrag zu digitalen Fotos als Mittel zur Präsentation und Diskussion von Arbeitsergebnissen), bis hin zu einer umfassenderen Ausrichtung des Unterrichts auf das Lernen mit digitalen Medien (wie z. B. an der Waldschule Hatten). Im Folgenden dafür einige Beispiele:

1. Andreas Kalt arbeitet in seinem Unterricht mit Wikis. Für seinen Oberstufenkurs in Geographie hat er bspw. ein Kurswiki eingerichtet, auf das er und seine Schüler mit unterschiedlichen Endgeräten zugreifen können. Das Wiki ist quasi ein gemeinsam geführtes Heft: Jedes Mitglied der Lerngruppe kann zu jeder Zeit den aktuellen Stand einsehen und bearbeiten. Die SuS können die Seiten selbst befüllen, mit Text oder auch mit Videos, Karten, Abbildungen, Verweisen auf Informationswebsites etc. Sie fassen Kursinhalte zusammen, notieren anwendungsorientierte Hausaufgaben und stellen auch Fragen zu Aspekten, die sich nicht verstanden haben. Durch die gemeinsam erstellten Notizen der Schüler bekommt die Lehrperson Einblick in deren inhaltliches Verständnis der Unterrichtsthemen, aber auch in ihre methodischen Fähigkeiten. Im Unterrichtsgespräch können unklare Punkte ausgeräumt oder besonders gute Aspekte hervorgehoben werden. Am Ende seines Beitrags geht Kalt auch noch auf die Vorteile von (selbst produzierten) Videos im Besonderen und digitalen Werkzeuge im Allgemeinen ein:

„Digitale Werkzeuge sind für mich auf allen Ebenen des Lernens eine zentrale Stütze: Bei der Erschließung von Inhalten, bei der Zusammenarbeit an Projekten, bei der Organisation von Lernprozessen, bei der Beratung zu Lernprozessen, bei der Sicherung und Strukturierung von Materialien. Vieles davon lässt sich natürlich auch ohne digitale Hilfsmittel bewerkstelligen […]. Dennoch halte ich die Potentiale für so vielversprechend, dass wir sie im Kontext der Schule meines Erachtens so gut wie möglich nutzen sollten.“

2. In eine ähnliche Richtung gehen die Erfahrungen von Walter Böhme. Er verweist auf die vielfältigen Möglichkeiten innerhalb der ZUM-Wiki-Familie, bspw. mit den „Lernpfaden“, bei denen es sich um z. T. interaktive und multimediale Lernstationen handelt, die SuS selbstständig bearbeiten können.

Englisch lernen mit analogen und digitalen Medien
Englisch lernen mit analogen und digitalen Medien

3. Die Schule von Mirko Hammerschmidt nimmt am Modellprojekt lernreich 2.0 teil. An den Schulen im Projekt sollen webgestützte Lern- und Übungsangebote entwickelt werden, die sowohl Differenzierung innerhalb von Lerngruppen als auch lernförderliches Feedback ermöglichen. Eine große Chance sieht die Schule darin, die knappe Zeit im Plenum effizienter nutzen zu können, „da durch digitale Übungen mit automatisiertem Feedback (z. B. LearningApps, Moodle-Tests, …) ineffektive (da kaum individualisierte) Vergleichs- und Sicherungsphasen gespart werden können.“ Zudem sei es durch digitale Anwendungen sehr viel einfacher, den Entstehungsprozess von Schülerarbeiten mit zu verfolgen und die Lerner bereits in frühen Phasen durch korrigierendes Feedback zu unterstützen.

4. Als Fremdsprachenlehrerin setzt Monika Heusinger digitale Medien gezielt im Französisch- und Spanischunterricht ein. Sie lässt ihre Schülerinnen und Schüler bloggen, wodurch u. a. sprachliche und interkulturelle Kompetenzen gefördert werden sollen, sie setzt kollaborative Tools wie GoogleDocs für arbeitsteilige Gruppenarbeit ein. Besonderes Potenzial sieht sie für die Individualisierung des Lernprozesses: SuS können in ihrem eigenen Tempo an Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad arbeiten bzw. an Aufgaben, die unterschiedliche Eingangskanäle ansprechen. Sie können selbst wählen, welche Facetten eines übergeordneten Themas sie gerne bearbeiten möchten und auch, welches Produkt zur Ergebnispräsentation entstehen soll. Ihr persönliches Fazit lautet:

„Natürlich führt der Einsatz digitaler Medien allein nicht zu erfolgreichem Lernen. Wichtig sind didaktische Konzepte, die die Besonderheiten und Möglichkeiten digitalen Lernens berücksichtigen statt analoge Formate einfach auf digitale Werkzeuge zu übertragen.“

5. Heiko Schneider beschreibt, wie das Arbeiten mit Blogs im Geschichtsunterricht dazu geführt hat, dass alle Schülerinnen und Schüler des Kurses von ihren Mitschülern, wie bei einer Schreibkonferenz, Rückmeldungen zu ihren eigenen Texte (Quellenanalysen) erhalten haben: In Partnerarbeit sollten mindestens drei andere Analysen kommentiert, positive sowie negative Aspekte herausgestellt und Verbesserungsvorschläge gemacht werden. Das Experiment kam bei den SuS gut an. Für @hokeys können digitale Medien eine Bereicherung für das inhaltlich-strukturierte Schreiben und das Überarbeiten von Texten sein – wenn die Technik denn funktioniert.

6. Philippe Wampfler hat ganz ähnliche Erfahrungen mit kooperativen / kollaborativen Schreibanlässen unter Nutzung digitaler Werkzeuge (Google Drive) und Peer-Feedback gemacht: „Die Digitalisierung ermöglicht, dass das Prozesshafte beim Schreiben von Texten beobachtet werden kann – und zwar nicht nur von der Lehrperson, sondern auch von Mitlernenden.“ Laut Wampfler werden didaktische Settings möglich, die schon in analogen Zeiten als fruchtbar erkannt wurden, aber kaum je umgesetzt werden konnten.

7. Wolfgang Currlin bezeichnet sich selbst als „digitalen Pragmatiker“ (im Gegensatz zu @ciffis „analogen Trotteln“ und „digitalen Euphorikern“ ). Er arbeitet seit 20 Jahren mit Computern im Unterricht und glaubt nicht an die „revolutionären Wirkungen der digitalen Medien auf den Unterricht.“ Er ist aber durchaus davon überzeugt, dass „digitale Medien praktischer sind als analoge und dass sie bessere pädagogische Möglichkeiten bieten.“ Als Beispiel führt er drei Beispiele aus seinem Geschichtsunterricht an (z. B. das Thema „Antike Wurzeln Europas“…), in dem SuS u. a. mit einem Lernmanagementsystem (LMS) arbeiten. Dieses biete Lernenden die Möglichkeit, selbstständig an Inhalten und Aufgaben zu arbeiten, Feedback zu bekommen und sich bspw. im Forum mit anderen über die Ergebnisse auszutauschen.

 

Was ist besser – digital oder analog? Oder: Warum uns die „Dialektik der analogen und digitalen Radikalismen“ (Larbig) nicht weiterbringt

All die oben aufgeführten Beispiele zeigen, dass Lehrkräfte sehr kreativ und gleichzeitig sehr unterschiedlich mit den Möglichkeiten digitaler Medien umgehen. Deutlich wird in allen Fällen, dass es nicht um eine Entscheidung für oder gegen analoge bzw. digitale Medien geht, sondern um ein sorgfältiges Abwägen, was denn aus der Perspektive des jeweiligen Faches und mit Blick auf die Lerngruppe sinnvoll erscheint und WIE es im Unterricht erfolgreich genutzt werden kann. Christian Spannagel bringt das treffend auf den Punkt:

„Es gibt natürlich zahlreiche sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für digitale Medien in Lehr-/Lernszenarien, genauso wie es verschiedenste gewinnbringende Einsatzmöglichkeiten für analoge Medien gibt. Die Entscheidung für ein digitales oder analoges Medium sollte dabei insbesondere didaktischen Überlegungen folgen: Welche Funktion übernimmt das Medium im Lernprozess? Digitale Medien sollten dabei additiv zu analogen gedacht werden: Digitale Medien ersetzen analoge nicht, sondern sie ergänzen sie. Mit neuen Medien entstehen neue Alternativen, für die ich mich als Lehrperson entscheiden kann (oder natürlich dagegen).“

Es geht also gar nicht um das „Entweder-oder“, sondern um eine Erweiterung des Handlungsrepertoires von Lehrkräften, um die Frage nach einem zeitgemäßen Unterricht, der alle (!) zur Verfügung stehenden Mittel nutzt, um für Schülerinnen und Schüler eine anregungsreiche und motivierende Lernumgebung zu schaffen.

In eine ganz ähnliche Richtung geht auch Torsten Larbigs Beitrag „Über Tabletklassen“. Nicht die Technologie (das Tablet oder Laptop) sollte seiner Meinung nach im Zentrum stehen, sondern die Erweiterung der Möglichkeiten des Lernens. Er kritisiert sowohl die Skeptiker als auch die Digitalisierungseuphoriker, weil durch die Zuspitzung der Positionen der Komplexität des Themas nicht Rechnung getragen wird:

„Schwer haben es in diesem Kontext jene, die reflexiv mit den Möglichkeiten und Grenzen der Digitalsierung umgehen. Von den Skeptikern werden sie oft in die Ecke der Euphoriker gestellt und umgekehrt. […] Als Didaktiker geht es mir als Lehrer zunächst darum, dass ich alle zur Verfügung stehenden Mittel und Methoden anschaue und untersuche, was welchem Lernen dient und was nicht. Alles aber, was dem Lernen dient, will ich, wenn die Verfügbarkeit nicht gerade allzu illusionär ist, nutzen können.“

Und das scheint gar nicht trivial zu sein. So beschreibt Thomas Rau, dass er persönlich digitalen Medien zwar großes Potenzial für das intrinsisch motivierte, informelle Lernen beimisst (bspw. für das Ukulele-Spielen oder Zwiefachen tanzen), er in seiner Unterrichtspraxis aber nicht beobachten konnte, dass der Medieneinsatz zu mehr Schüleraktivität oder Motivation führt: „Genutzt habe ich schon alles mögliche, aber es ist mühsam. Wenn Schüler und Schülerinnen in unserem Unterricht so passiv mit digitalen Medien umgehen wie mit analogen – dem Schulbuch etwa – dann ist der Gewinn nicht groß.“

Eine Replik sowohl auf Larbig als auch auf Rau liefert gewissermaßen Martin Linder mit seinem Blogbeitrag: Lernen verstanden als „außengeleiteter Prozess“, der von Lehrerinnen und Lehrern ausgeht und „ständig überprüft und nachgeregelt“ werden muss und bei dem digitale Medien dann „reflektiert“ und „gezielt“ im Unterricht eingesetzt werden, steht seines Erachtens im Gegensatz zum selbstständigen Umgang mit dem Netz als zentralem Lerner-Medium. Mit der ständigen Verfügbarkeit von Informationen aus dem Netz wird der „Autoritätsvorsprung“ laut Lindner untergraben; Lehrkräfte sind nicht mehr Wissensmonopolisten bzw. „Gatekeeper“, sondern können u. a. mit Hilfe der digitalen Medien die Lehr/Lernsituation öffnen:

„Plötzlich gibt es alternative Szenarien, weil das Präsentieren, das Erklären, das kollaborative Gespräch und das gemeinsame Üben auch mit anderen Mitteln möglich wird. Und es bleibt dann immer noch bei weitem genug menschlicher Kontakt übrig.“

In einem stärker schülerzentrierten Unterricht ist es nach Lindner die wichtigste Aufgabe der Lehrenden „alles aus dem Weg zu räumen, was die Lernenden beim Lernen behindert.“ Auch Daniel Bernsen spricht sich dafür aus, die Rolle der Lernenden zu stärken: „Die Verschiebung vom Lehren zum Lernen, vom Stoff zum Lernenden markiert den shift, die grundlegende Transformation, die durch die Digitalisierung in das Bildungssystem drängt und dieses bereits verändert. Und zwar unabhängig davon, ob die einzelne Lehrkraft oder Schule das will oder nicht, sie dies fördert oder untersagt.“ Und so kommen sowohl Philipe Wampfler als auch Christian Füller übereinstimmend zu dem Urteil, dass die Digitalisierung die Schule (wie wir sie kennen) als Institution infrage stellt. Ich teile allerdings nicht die Einschätzung Füllers, dass „Unterrichten“ und „digitales Lernen“ im Grunde überhaupt nicht zueinander passen. Meine Meinung ist, dass die Digitalisierung genau zu einem Zeitpunkt auf Schule trifft, in dem auch die Pädagogik viel stärker als je zuvor die Lernenden in den Mittelpunkt rückt (Aspekte hiervon finden sich in den Begriffen individuelle Förderung / Individualisierung / Personalisierung, selbstgesteuertes Lernen und Schüleraktivierung wieder). Das dazu passende Gedankenmodell findet sich in Michael Fullans 2013 erschienenem Buch „Stratosphere“.

“This book is about how the ideas embedded in the new technology, the new pedagogy, and the new change knowledge are converging to transform education for all…” (S. 3)

Michael Fullan: Stratosphere
Michael Fullan: Stratosphere

Fullan ist davon überzeugt, dass sich mit anregenden Lernangeboten, die sich aus dem Zugang zu einem weltweiten, digitalen Netz an Wissen speisen, Schüler stärker für Bildung interessieren lassen, insbesondere wenn sie mit zeitgemäßen Lehrmethoden und Lehrplänen einhergehen. Und trotz dieser im Grunde günstigen Konstellation, in der eine neue Pädagogik auf Technologie und das Wissen um die Gestaltung von Veränderungsprozessen trifft, ist die Transformation der Schule eine komplexe und kolossale Aufgabe.

 

Wie verspeist man einen Elefanten? Veränderung in kleinen Schritten

In deutschen Klassenzimmern ist er noch nicht angekommen, der digitale Tsunami, der das bestehende System plötzlich und radikal infrage stellt. Auch Martin Lindners Prognose, dass wir 2025 die „digitale Revolution“ des Bildungswesens schon hinter uns haben, halte ich angesichts des Beharrungsvermögens der Institution Schule für optimistisch. Schul(system)entwicklung braucht Zeit, da sind zehn Jahre ein eher kurzer Zeitraum. Aber daran, dass sich etwas verändern muss und wird, kann kein Zweifel bestehen. Zur „whole system reform“ (Fullan) können, neben vielen anderen Faktoren, auch gute Beispiele beitragen. Die oben dargestellten Beiträge von Praktikern sind Zeugnis eines pragmatischen Umgangs mit digitalen Medien im Unterricht. Sie zeigen, wie bereits mit vergleichsweise geringem Aufwand die Handlungsspielräume für Lehrkräfte und Schüler erweitert werden können. Karl Kirst plädiert dafür, mutig zu sein und Dinge auszuprobieren, anstatt darauf zu warten, bis Didaktiker das Potential eines neuen Mediums in allen seinen Facetten erkundet und daraus dann entsprechende Einsatzmöglichkeiten entwickelt haben: „Wer sich traut, neue Wege mit digitalen Medien zu gehen, kann hier und da sicherlich auch Irrwege gehen oder gar scheitern. Aber dies ist ja bei der Auswahl einer neuen Lektüre z. B. auch möglich, trotz sorgfältiger Abwägungen im Vorfeld.“ Diesem Plädoyer möchte ich mich anschließen. Zur Schule als lernende Organisation gehören Lehrkräfte, die sich selbst als lebenslang Lernende verstehen, die sich trauen, Fehler zu machen, die sich untereinander austauschen, Wissen und Erfahrungen teilen und als professionelle Lerngemeinschaft kontinuierlich an ihrer Weiterentwicklung arbeiten. Mit dieser Einstellung könnten die Chancen der Digitalisierung besser genutzt und auch die Rollen von Lehrenden und Lernenden behutsam neu austariert werden…

 

Ich möchte auch denjenigen danken, auf deren Blogbeiträge und Kommentare ich im Einzelnen nicht näher eingegangen bin – und wünsche allen, die bald Urlaub haben, erholsame Sommerferien!


Kommentare

  1. / von Chancen der Digitalisierung für individuelle Förderung im Unterricht – zehn gute Beispiele aus der Schulpraxis

    […] („Mit digitalen Medien besser lernen?“) aufgerufen – und war überwältigt von der Resonanz. Viele Beiträge und Kommentare zur Blogparade waren so spannend und anregend, dass ich im […]

Kommentar verfassen