Einzelkämpfer oder Teamplayer? Wie sieht der Lehrerarbeitsplatz der Zukunft aus?

Schluss mit dem 45-Minuten-Takt! Wie sieht der Lehrerarbeitsplatz der Zukunft aus?

Einzelkämpfer oder Teamplayer? Wie sieht der Lehrerarbeitsplatz der Zukunft aus?
Einzelkämpfer oder Teamplayer? Wie sieht der Lehrerarbeitsplatz der Zukunft aus?

Ein eigener Schreibtisch für jeden Lehrer in der Schule. Die Stundenvorbereitung findet nicht mehr im heimischen Büro, sondern direkt vor Ort statt. Absprache und Teamwork unter Kollegen gehen leicht und schnell von der Hand. Der Unterricht selbst kann flexibel in Lern-, Projekt- und Ruhephasen eingeteilt werden. Klingt das nicht himmlisch? Die Organisation von Raum und Zeit ist ein wichtiger Bestandteil der Schulkultur. Sie soll nicht nur Schülern, sondern auch Lehrern den Schulalltag erleichtern. Und auch hier können wir noch viel lernen.

Eine Schule, die ihre Kinder und Jugendlichen individuell fördern möchte, kann dieses Ziel leichter erreichen, wenn sie ihre Zeitreserven und Räumlichkeiten anders nutzt und die Lehrkräfte im Team arbeiten. Durch eine neue Organisationsstruktur und -kultur der Schule kann beispielsweise die Zusammenarbeit in Jahrgangsteams, in Fachkonferenzen und zwischen Jahrgangsteams und Fachkonferenzen gefördert werden. Die Gestaltung der Räumlichkeiten und Zeitfenster gibt Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit zum Austausch von Wissen und zur gemeinsamen (Weiter-)Entwicklung von Materialien. Die Schule würde damit immer mehr zum Arbeitsplatz, der die Unterrichtsvorbereitung zuhause weitgehend überflüssig macht. Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, den Arbeitsaufwand durch zusätzliche Abstimmungsschleifen zu erhöhen, sondern darum, durch eine engere Zusammenarbeit und gemeinsame Planung Synergien zu schaffen, die letztendlich eine Entlastung für jede einzelne Lehrkraft bedeuten.

Und auch für den Unterricht müssten Räume und Zeiten so flexibel gestaltbar sein, dass individuelle Lernwege und -prozesse und ihr Wechsel gut ermöglicht werden können – z. B. für bestimmte Gruppenarbeiten, Freiarbeit, Projekte oder Ruhephasen. Das kann zuweilen auch eine Abkehr vom 45-Minuten-Takt erforderlich machen.

Zugegeben – von dieser Vision sind wir an vielen Schulen noch relativ weit entfernt. Andererseits gehen immer mehr Schulen – auch weiterführende – in den Ganztag. Die Erfahrungen von Ganztagsschulen zeigen, dass sich an diesen Schulen der Arbeitsplatz der Lehrerinnen und Lehrer stark verändert: Es braucht Räume für die Teamarbeit, um kooperativ, fachübergreifend oder arbeitsteilig zusammenzuarbeiten. Es braucht Rückzugsmöglichkeiten zur Entspannung oder zur Unterrichtsvorbereitung und zum Korrigieren. Neben Lehrerarbeitsplätzen gehört auch eine moderne IT-Infrastruktur, die ein Wissensmanagement an der Schule ermöglicht, dazu.


Kommentare

  1. / von Christian Ebel

    Dazu passend: Am Goethe-Gymnasium in Hamburg-Lurup werden gerade Arbeitsplätze für jede Lehrkraft in der Schule eingerichtet. Prof. Uwe Schaarschmidt (Potsdamer Lehrerstudie) hat das Projekt wissenschaftlich begleitet. Mit den Arbeitsplätzen habe sich die gesamte Schulkultur verändert: Die Lehrkräfte verbrächten im Durchschnitt freiwillig 140 Minuten pro Woche länger in der Schule. Sie seien insgesamt zufriedener, fühlten sich weniger belastet bzw. von Burn-out bedroht. Neben der Belastungsreduktion gibt es laut Schaarschmidt verbesserte Möglichkeiten der „Organisation und Rationalisierung der Arbeit sowie der Kommunikation und Kooperation“. http://www.hh.schule.de/goethegy/

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