Wie eine Bremer Schule die Herausforderungen im sozialen Brennpunkt meistert

Trotz der winterlichen Straßenverhältnisse mache ich mich am Freitag, zusammen mit drei Kolleginnen auf den Weg, um das erste Quartiersbildungszentrum in Bremen zu besichtigen.
Bei klirrender Kälte und vereisten Straßen erreichen wir um 8 Uhr die Grundschule an der Robinsbalje. Jede Menge Kinder strömen bereits aus allen Richtungen heran. Viele werden von ihren Eltern zu Fuß begleitet, andere genießen den Komfort, per Schlitten bis vor die Schule gezogen zu werden. Einige Schüler nutzen die Gelegenheit noch für eine feucht fröhliche Schneeballschlacht, bis die Schulglocke den Start des Schulalltags einläutet. Das Tempo mit dem die Schüler in die Schule stürmen, erweckt den Eindruck, dass die Meisten es kaum erwarten können, dass der Unterricht beginnt.

Herzlich werden wir schon an der Tür von der Schulleiterin in Empfang genommen und durch die Schule geführt. Dass hier eine angenehme Lernatmosphäre herrscht, ist überall zu spüren und bestätigt sich auch während unserer Unterrichtshospitationen. Alleine über die Eindrücke, die wir im Unterricht gewonnen haben, wäre es wert einen Blogbeitrag zu schreiben aber lieber möchte ich mich heute auf das spannende Thema „Schule als Quartiersbildungszentrum“ fokussieren.

Die Grundschule an der Robinsbalje liegt in einem sogenannten „Brennpunktviertel“ von Bremen. Zahlreiche Wohnblocks und Hochhäuser bestimmen das Bild der Straße. Wie uns die Schulleiterin berichtet sind die Häuser und Wohnungen zum größten Teil in einem desolaten Zustand. Zudem ist es den Kindern und Jugendlichen vielerorts noch durch die Hauseigentümer untersagt, die dazugehörigen Grünflächen zum Spielen zu nutzen. Und genau in diesem Viertel ist vor einigen Wochen nun das erste Quartiersbildungszentrum in Bremen entstanden. Nach dem Vorbild der niederländischen „Vensterscholen“ (vgl. auch „Schule im Quartier – Die holländische Vensterschool ist das Herz ihres Stadtteils„) wurde nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit ein zweigeschossiger barrierefreier Neubau errichtet, der zum zentralen Treffpunkt im Viertel werden soll. Der großzügige Bau befindet sich zwischen der Schule und der Kita. Wir betreten zunächst den unteren Bereich, wo die Mensa den Mittelpunkt des Gebäudes bildet. Ich bin sofort von dem hellen und freundlichen Raum begeistert. Die Mensa ist fast rundum verglast und mit einladendem Mobiliar ausgestattet. Hier können täglich 500 Kinder verköstigt werden aber nicht nur das, sie dürfen unter professioneller Anleitung auch selbst Kochen lernen. Selbstverständlich steht die große Mensa darüber hinaus auch für andere Aktivitäten des Stadtteils zur Verfügung.

Über eine Treppe gelangen wir in das Obergeschoss, wo das eigentliche Quartiersbildungszentrum untergebracht ist. Es gibt eine gemütliche Wartezone, mehrere Gruppenräume und fünf Beratungsbüros. Wie wir erfahren ist hier z. B. eine Außenstelle des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes untergebracht, es werden eine Gesundheits- und Sozialberatung sowie ehrenamtlich Integrations- und Sprachkurse angeboten. Eine Pinnwand im Wartebereich informiert über weitere Angebote, wie z. B. eine regelmäßige Sprechstunde mit der örtlichen Polizei. Bislang war der Weg zu den Ämtern in die Stadt für viele Bewohner des Stadtteils zu weit, sie konnten sich die Fahrt dorthin nicht leisten oder haben sich einfach nicht getraut. Durch das Quartiersbildungszentrum haben sie nun diverse Beratungsangebote direkt vor der Tür. Die ersten Wochen haben bereits gezeigt, dass das Zentrum sehr gut angenommen wird und erste Früchte trägt: Es ist an der Robinsbalje nicht so, dass die Angebote von der Schule oder anderen Einrichtungen vorgegeben werden, sondern viele Ideen und Wünsche kommen von den Anwohnern selbst. Auf einer bereits gut gefüllten Liste kann jeder seine Anregungen loswerden, die dann nach und nach umgesetzt werden. Diese ist direkt am Eingang für jeden Besucher sichtbar und zugänglich.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich ein paar sehr eindrucksvolle Stunden an der Schule verbringen durfte und der Begriff „Quartiersbildungszentrum“ bei mir endlich ein konkretes Bild hervorruft. Ich bin gespannt, wie sich das Zentrum in der nächsten Zeit weiterentwickelt und wie es von den Menschen im Stadtteil genutzt wird.


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