Selbstständiges Lernen gestalten mit Portfolios

Während wir im letzten Blogbeitrag – und auch im Grundlagenartikel zum Portfolio auf www.vielfalt-lernen-wiki.de – zu einer Definition und Unterscheidung verschiedener Typen von Portfolios gekommen sind, soll diesmal anhand des Beispiels der Laborschule Bielefeld gezeigt werden, wie Portfolios im Unterricht sinnvoll zum Einsatz kommen können. Grundlage für diese Darstellung ist ein Workshop, den Christine Biermann (didaktische Leiterin der Laborschule) gemeinsam mit ihrer Kollegin Marlene Schütte beim Schulforum und Educamp im November 2011 in Bielefeld angeboten hat.

Das Portfolio wird an der Laborschule als eine Sammlung von Dokumenten verstanden, die unter aktiver Beteiligung der Lernenden zustande kommt und etwas über ihre Lernergebnisse und Lernprozesse aussagt. Den Kern eines Portfolios bilden ausgewählte Originalarbeiten. Die Vorteile des Portfolios werden vor allem darin gesehen,

  • schulisches und unterrichtliches Handeln an den Lernprozessen der Einzelnen zu orientieren und die Individualisierung des Lernens zu unterstützen,
  • individuelle Förderung und individuelle Diagnostik zu gestalten,
  • den Unterricht stärker an Kompetenzen zu orientieren,
  • selbstständiges und selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen,
  • reflexive Lernhaltungen und metakognitive Lernhandlungen zu fördern und
  • herkömmliche Verfahren der Leistungsbewertung zu reformieren.

Die Laborschule beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dieser Form der Leistungspräsentation und -bewertung. Sie hat inzwischen viele Erfahrungen über die Arbeit mit Portfolios in verschiedenen Jahrgängen und Fächern gesammelt, z.B. im Mathematik- und sozialwissenschaftlichen Unterricht. Dabei sind beispielhafte Portfolios entstanden, wie z.B. „Ich renoviere meine Traumwohnung“ – Flächen-, Umfangsberechungen, Rechnen mit Dezimalzahlen, „Mein Schneckenrennen“ – Zuordnungen, „Das Mittelalter“, „Mein Kitapraktikum“ (vgl. Workshop-Präsentation).

Zu ihren Arbeiten erstellen die Schülerinnen und Schüler Reflexionen, die auch Teil des Portfolios werden. Für das Anlegen eines Portfolios werden in der Regel gemeinsam Ziele und Kriterien formuliert, an denen sich die Lernenden orientieren können, wenn sie für ihr Portfolio arbeiten und/oder eine Auswahl von Dokumenten zusammenstellen.

Portfolios werden in einem geeigneten Rahmen präsentiert und von Mitschülern, Eltern, Lehrkräften wahrgenommen und gewürdigt. Anhand der Portfolios finden Gespräche über Lernen und Leistung statt. Die in Portfolios dokumentierten Leistungen werden von der Lehrperson i.d.R. bewertet und kommentiert – in ähnlicher Weise machen das auch die Lernenden selbst.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Portfolio individuelle Lernwege dokumentiert und Reflexionsanlässe bietet, die Selbsteinschätzung und Selbstverantwortung der Lernenden fördert, den (beratenden / bewertenden) Dialog fordert, offene Unterrichtsformen begleitet sowie die Leistungen der Lernenden zeigt und in der (öffentlichen) Präsentation achtet bzw. wertschätzt.

Damit hat sich die Arbeit mit Portfolios an der Laborschule in vielen Fächern als ein wichtiges Hilfsmittel zur Begleitung, Förderung und Überprüfung schulischer Leistungen bewährt.

Weiterführende Links:

Präsentation zum Workshop „Selbstständiges Lernen gestalten mit Portfolios“ (Dr. Christine Biermann und Marlene Schütte): http://blogs.bertelsmann-stiftung.de/vl/wp-content/uploads/sites/4/2011/12/WS_Portfolio_Biermann_Schuette.pdf

Ergebnis-Protokoll des Workshops „Selbstständiges Lernen gestalten mit Portfolios“: http://www.scribd.com/doc/73813082/ecbi11-Selbststandiges-Lernen-gestalten-mit-Portfolios

Portfolios im Mathematikunterricht der Laborschule: Dokumentation, Präsentation und Bewertung von Schülerleistungen in den Jahrgängen 5-7 (Dr. Christine Biermann, August Heidemann, November 2007): http://www.schulinfos.de/i2f01/anla2/anla_16.pdf

 

Literatur

Biermann, C./Volkwein, K. (Hrsg.): Portfolioperspektiven – Schule und Unterricht mit Portfolios gestalten. Weinheim und Basel 2010

Brunner, I./Häcker, T./Winter, F. (Hrsg.): Das Handbuch der Portfolioarbeit. Konzepte, Anregungen, Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung. Kallmeyer bei Friedrich. Velber 2006

Easley, S.D./Mitchell, K.: Arbeiten mit Portfolios. Schüler fordern, fördern und fair beurteilen. Verlag an der Ruhr 2004

Schwarz, J. u.a. (Hrsg.): Portfolio im Unterricht – 13 Unterrichtseinheiten mit Portfolio. Seelze-Velber 2008

Wiedenhorn, T.: Das Portfolio-Konzept in der Sekundarstufe. Individuelles Lernen organisieren. Verlag an der Ruhr 2006


Kommentare

  1. / von Dara

    Mithilfe eines guten, völlig durchdachten Portfolios kann man nicht nur seine persönlichen Stärken identifizieren. Man kann entdecken, welche Richtung man einschlagen soll, mit welchen Fächern und Aspekten man sich aktiv ausienandersetzen soll, um sich entwickeln zu können. Klar ist, dass zum Beispiel Personen, denen Mathematik fremd ist und die dieses Fach für ziemlich kompliziert halten, es nicht einfach haben. Solche Personen neigen eher zu humanistischen Richtungen.

  2. / von Kongress „Digitale Didaktik 2015“ auf Schloss Neubeuern

    […] im individuellen Lernprozess (vgl. hierzu folgende Beiträge auf Vielfalt lernen hier und hier). Andrea Ghoneim von der Donau-Universität Krems stellte ihre Definition von ePortfolios […]

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