Referendarin im Unterricht

Was Schule bewegt – konkret gefragt: Thema: Berufswunsch Lehrer: Ansichten und Einschätzungen zur Ausbildungszeit

Der Ausbildungsweg zum Berufswunsch „Lehrer“ ist von vielen Anforderungen an die Studenten bzw. Referendare und von deren Zielen und Hoffnungen geprägt. Es ist ein Weg, der auch in Anbetracht gegenwärtiger Ansprüche und Erwartungen an Lehrer das Ziel verfolgt, einen Beruf von hoher gesellschaftlicher Relevanz zu erwerben. Ich kann mich noch gut an meine Uni- und Anwärterzeit erinnern, an die Neugier auf das Lehrersein und an die Hoffnungen, die ich daran knüpfte. Eine spannende Zeit…

Referendarin im Unterricht
Referendarin im Unterricht

Was es gegenwärtig bedeutet, in der Lehrerausbildung zu sein, davon berichten in diesem Beitrag einige Lehramtsanwärter aus dem Studienseminar für Grund-, Haupt- und Realschullehramt  Oldenburg. Anfang Oktober habe ich dort die Gelegenheit gehabt, mit Anwärtern aus zwei Fachseminaren ins Gespräch zu kommen. Ihre authentischen Äußerungen und Einschätzungen geben Einblicke in das System Ausbildung, in positive und eher ungünstige Ausbildungsaspekte, in vielfältige erste Lehr- und Schulerfahrungen. Darüber hinaus geben die geschilderten Impressionen ein Abbild von den individuell empfundenen Belastungen und Zufriedenheiten, die den Weg zum Lehrerwerden begleiten. Lesen sie die Zusammenfassung prägnanter Statements in einer Collage:

K: Wenn du aus der Anwärter-Perspektive zurück blickst auf deine Uni-Zeit, wie beurteilst du die universitäre Ausbildung? Welche Aspekte waren eher hinderlich, welche förderlich bzw. positiv?

„Zu wenig Praxisbezug, mehr Praktika sind nötig. Aber: neuer Master ist – so wie derzeit angedacht – kaum möglich… vielleicht könnten schulbegleitende Seminare hilfreich sein…“

„Sehr positiv und gut war es, Schwerpunkte zu setzen und ein eigenes Profil bilden zu können. Negativ war der Prüfungsalltag…“

„Ich fühle mich nicht auf die aktuelle Schülerschaft und die zu Beginn auftretenden Probleme vorbereitet.“

„Ich respektiere die Uni als Theorieraum. Er hat mich gebildet und gestärkt. Aber er will nicht in erster Linie auf die Schulrealität vorbereiten. Dieses Problem trifft einen in der zweiten Phase der Ausbildung.“

„Die Kurse in der Uni waren sehr fern der Praxis in der Schule. Vieles ist einfach unnötig und kommt nie zur Anwendung.“

K.: Wie empfindest du deine Vorbereitungszeit? Welche Aspekte machen dich zufrieden, welche belasten eher?

„Die Anzahl der Unterrichtsbesuche und die Seminarbesuche (ganzes Seminar guckt einem Anwärter zu) sind angemessen.“

„Die Anforderungen sind sehr hoch, aber der ständige Austausch mit den anderen Lehramtsanwärtern ist  positiv und hilfreich.“

„Die zeitliche Belastung ist hoch.“

„Ich wünsche mir mehr Transparenz bei der Notenvergabe.“

„Die Schülerinnen und Schüler konnten beides bei mir auslösen: 1. Belastung: in punkto Unterrichtsstörungen, Konflikte. 2. Zufriedenheit: Umgang mit Schülern als „Lichtblick“ im stressen Schul- und Seminaralltag.“

Referendarin unterstützt Schülerin
Referendarin unterstützt Schülerin

K.: Stell dir vor, du hättest die Gelegenheit, selbst ein Seminar zu leiten. Was wäre dir besonders wichtig?

„Eine individuelle Förderung für die Anwärter. Ich würde Wert darauf legen, nicht nur meine Ansichten zu vermitteln, sondern die der Anwärter zu berücksichtigen.“

„Mir wäre wichtig, immer auf dem neuesten Stand zu sein.“

„Ich würde bei Unterrichtsbesuchen „alltägliche“ Stunden verlangen und häufiger Unterricht besuchen.“

„Ich fände die Vermittlung diagnostischer Kompetenzen wichtig, z.B. in punkto Verhaltensauffälligkeiten.“

K.: Wie empfindest du die Arbeit an der Schule? Was ist dir in deiner Rolle als Lehrer/in besonders wichtig?

„Ich habe den Lehrerberuf in seiner Vielfältigkeit leicht unterschätzt. Konferenzen, Feste, Elternabende und -gespräche etc. machen den Beruf abwechslungsreich und liebenswert.“

„Es ist schön zu sehen, wie man selbst als Fachlehrkraft häufig beratende, unterstützende und aufbauende Aufgaben übernimmt.“

„Mir ist in meiner Rolle als Lehrerin besonders wichtig, auf ALLE eingehen zu können, zu fördern und zu fordern.“

„Es ist sehr arbeitsintensiv, aber abwechslungsreich und erfüllend.“

„Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, das ist toll. Aber ich hatte gehofft, mehr Spaß zu haben. Oftmals nehme ich Unlust und Demotivation von Schülern persönlich.“

„In meiner Lehrerrolle ist mir wichtig, konsequent zu sein, obwohl es nicht immer einfach umzusetzen ist…“

„Ich empfinde die Arbeit an der Schule als angenehm. Wichtig ist der Erziehungsauftrag an der Grundschule. Die Geduld, die man mitbringen muss, ist total entscheidend. Gerade der Bereich Unterrichtsorganisation ist besonders wichtig für mich, ich halte viel von klärenden Ritualen. Den Beruf habe ich mir so vorgestellt, wobei ich glaube, dass das Referendariat noch wenig mit der Realität zu tun hat…“

„Mir macht die Arbeit an der Schule Spaß, aber man fühlt sich oft stark belastet durch zu viele Aufgaben und zu wenig Zeit. Eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung ist mir sehr wichtig und dass die Schüler merken, dass ich Spaß an meinem Beruf habe.“

Vielen Dank, liebe Anwärter, für Eure Innenansichten, sowie die offenen und ehrlichen Einschätzungen. Danke auch an  Seminarfachleiterin Veronika Schwertmann, die ganz spontan einen Einblick in ihre Seminararbeit gewährt hat. Ganz besonders bedanken möchte ich mich außerdem bei  Lutz Alefsen, Sportseminarleiter am Studienseminar, der durch seine Offenheit und sein Engagement dazu beigetragen hat, dass eine Innensicht über Anwärterperspektiven überhaupt möglich war. Ich denke, Innenansichten von Anwärtern zu erhalten, ist nicht selbstverständlich; insbesondere wenn man an das Abhängigkeitsverhältnis während der Ausbildungszeit denkt. Besonders gern erinnere ich mich daher an die vertrauensvolle und kompetente Seminaratmosphäre, die sicherlich nicht nur für mich angenehm war. Denn letztlich, so lese ich es auch aus den Statements der jetzigen Lehramtsanwärter, ist eine derartige Seminar- oder Unterrichtsgestaltung, die geprägt ist von Offenheit, einem „Klima des Vertrauens“ und Kompetenz, eine positive Rezeptur für jede (Aus)bildung. Und positiv für „Lust auf Schule“!

 

Katharina Korves


Kommentare

  1. / von Robert

    Ich habe 2002 auf Lehramt studiert, um in Kindern und Jugendlichen etwas zu bewegen. Lernen bedeutet für mich, erlernen und anwenden. Verstaubte Lehrpläne und rigide Unterrichtsabläufe waren mir schnell zuwider. Heute arbeite ich an einer Privatschule und freue mich über ein hohes Maß an Vertrauen vonseiten der Direktion und der Eltern. Nur so ist es möglich, auch alternative Wege mit den Schülern zu erproben.

Kommentar verfassen