Kollegiale Zusammearbeit

„In meinen Unterricht redet mir niemand hinein“?

Ein Plädoyer für kollegiale Zusammenarbeit

Kollegiale Zusammearbeit
Kollegiale Zusammenarbeit

Unterricht ist in Deutschland bisher meist „Privatsache“ der jeweiligen Lehrkraft. Die Klassentür ist zu, die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts erfolgt allein am eigenen Schreibtisch. Der Austausch von Anekdoten oder kurzen Statusmeldungen im Sinne von „Ich musste xy gerade schon wieder rausschicken, das geht echt gar nicht mehr“ ersetzen in der Regel tiefergehende Gespräche unter Kollegen.

Angesichts dieser Berufspraxis erstaunt es nicht, wenn in einer Studie 62% der befragten Lehrer der Aussage zustimmen: „In meinen Unterricht redet mir niemand hinein“ (Kanders/Rösner 2006). Diese Tendenz zum Einzelkämpfer-Dasein wird unterstützt durch die spezifischen Bedingungen am Arbeitsplatz Schule: Minutengenaue Taktung durch den Schulgong, die verschobenen Stundenpläne der Kollegen und ein kleiner Sitzplatz in einem riesigen Lehrerzimmer lassen wenig Zeit und Raum für gemeinsame Beratung und Planung.

Dieser alltäglichen schulischen Praxis stehen eindeutige empirische Erkenntnisse gegenüber: Gute Schulen sind Schulen, in denen Lehrer kooperieren. Unter „Kooperieren“ wird hierbei allerdings nicht nur der gelegentliche Austausch von Informationen und Material verstanden. Es geht um intensivere Formen der Zusammenarbeit, die sich idealerweise durch folgende Merkmale auszeichnet: Erfahrungen werden reflektiert, Einblicke in die Unterrichtspraxis gegeben, das Lernen der Schüler in den Mittelpunkt gestellt und handlungsleitende Ziele entwickelt.

Teamarbeit im Kollegium
Teamarbeit im Kollegium

Diese kollegiale Zusammenarbeit hat dabei bemerkenswert positive Wirkungen auf alle Bereiche des schulischen Arbeitens. Fangen wir bei den Lehrern selbst an: Wenn Lehrer kooperieren, nehmen sie sich als Lehrperson effektiver wahr, sind zufriedener mit ihrem Beruf, bekommen mehr Anerkennung und sind weniger krank. Allein dieser Befund sollte den einen oder anderen Skeptiker bereits nachdenklich stimmen. Auch auf der Ebene der gesamten Schule lassen sich positive Effekte von Kooperation nachweisen: Das Schulklima verbessert sich, das Wir-Gefühl bei Schülern, Lehrern und Eltern steigt. Und – last but not least – betrifft Lehrerkooperation auch das Kerngeschäft der Schule, den Unterricht. Es zeigte sich, dass kooperierende Lehrer eher in der Lage sind, die Lernbedürfnisse ihrer Schüler einzuschätzen und ihren Unterricht darauf abzustimmen. Sie sind außerdem über neue Unterrichtstechniken und fachliche Inhalte besser informiert und eher bereit, innovative Unterrichtsformen einzusetzen. Statt Erfolge und Misserfolge stets auf ihre eigene Kappe zu nehmen, teilen sie die Verantwortung für die Gesamtentwicklung der Schüler und für deren Lernerfolg. Überdurchschnittlich gute Lernleistungen der Schüler sind in vielen Fällen das erfreuliche Ergebnis.

Angesichts dieser überzeugenden empirischen Argumente für die Kooperation zwischen Lehrern stellt sich die Frage:
Kann es sich eine Schule überhaupt noch leisten, auf die positiven Effekte der Lehrerkooperation zu verzichten? Angesichts einer immer heterogener werdenden Schülerschaft und angesichts der ehrgeizigen Zielsetzungen von individueller Förderung und Inklusion ist meine persönliche Antwort eindeutig: Nein, das kann sie nicht.

Hoffnung macht mir, dass 38% der Lehrer der oben erwähnten Aussage „in meinen Unterricht redet mir niemand hinein“ eben nicht zustimmten. Ich wünsche mir, dass sich mehr Kollegen in den nächsten Jahren auf den Weg hin zu mehr Kooperation machen werden. Ich wünsche mir auch, dass sie auf diesem Weg viel Unterstützung von Schulleitungen, Fortbildnern und Schulpolitik bekommen, damit in einigen Jahren vielleicht 90% der Lehrer folgender Aussage zustimmen können: „Mein Unterricht verbessert sich stetig durch unsere kollegiale Zusammenarbeit“.

Mara Guesnet

 

Studien und weiterführende Literatur:

Kanders, M./Rösner, E. (2006): Das Bild der Schule im Spiegel der Lehrermeinung. In: Bos, W. u.a.: Jahrbuch der Schulentwicklung Bd.14. Weinheim/München, S. 11-48.

Hord, S. M. (1997): Professional learning communities: Communities of continuous inquiry and improvement. Austin, Texas: Southwest Educational Development Laboratory.

Fussangel, K./Gräsel, C. (2012): Forschung zur Kooperation im Lehrerberuf, in: Terhart, E./Bonnewitz, H./Rothland, M. (Hrsg.), Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf, Münster 2012, S. 667-682.


Kommentare

  1. / von barbara cojaniz

    Danke für den Artikel! Bitte bleibt dran ihn zu verbreiten!
    Es ist ja eigentlich schockierend, dass die Lehrerbildung nicht selbstverständlich die Einstellung vermittelt, dass ein Team immer besser ist als Einzelkämpfer. Wichtig wäre halt auch noch, dass über eine positive Haltung hinaus das WIE eines guten Miteinanders geübt und erfahren wird. Darüber sollten viele Berichte im BLLV Forum kommen als Ermutigung! DiesePlattform erreicht eine Menge Lehrer!

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