Zeitliche Struktur der Fortbildungen

Lehrerfortbildungen zu Inklusion: Viele Angebote, aber noch zu wenig Nachhaltigkeit

Der Ausbau eines inklusiven Schulsystems stellt Lehrkräfte vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass das Unterstützungssystem genügend und  gute Fortbildungsangebote bereitstellt.

Die Umsetzung eines qualitativ hochwertigen und inklusiven Schulsystems, auf das seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 alle Schüler Anspruch haben, erzeugt bei Schulen einen hohen Veränderungs-, Innovations- und Erwartungsdruck. Um sich dieser Herausforderung stellen zu können, benötigen Schulleitungen, Lehrkräfte und erweitertes pädagogisches Personal verlässliche und qualitativ hochwertige Unterstützung und entsprechende Ausstattung. Der Schulentwicklungsbegleitung und Fortbildung von Schulleitungen und Lehrkräften kommen dabei Schlüsselrollen zu. Insbesondere die Lehrerfortbildung wird zur „Hoffnungsträgerin”, um die schulischen Akteure auf die anstehenden Veränderungen in der Praxis berufsbegleitend vorzubereiten.

Entsprechend lassen sich in allen Bundesländern inzwischen erste Schritte erkennen, Inklusion in unterschiedlichsten Maßnahmen der Schulentwicklungsberatung und der Lehrerfortbildung zu implementieren. Dr. Bettina Amrhein, Koordinatorin Inklusion am Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln, und Benjamin Badstieber haben mehr als 700 Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte zum Thema „Inklusion“ analysiert. Ihre Trendanalyse zeigt, dass es zwar eine Vielzahl solcher Fortbildungsangebote gibt, dass aber die analysierten Maßnahmen noch nicht hinreichend wirksam und nachhaltig sind.

Zeitliche Struktur der Fortbildungen
Zeitliche Struktur der Fortbildungen

Die Analyse zeigt bspw., dass über 80 Prozent der Maßnahmen einen sehr geringen zeitlichen Umfang von wenigen Stunden (42 Prozent) oder einem Tag (40 Prozent) aufweisen. 16 Prozent erstreckten sich über mehrere Tage, und lediglich 2 Prozent der Maßnahmen waren langfristig über einen Zeitraum von mehreren Monaten angelegt (vgl. Abbildung 1). Damit zeigt sich, dass solche Fortbildungsangebote, die über einen längeren Zeitraum angelegt sind und einen begleiteten Veränderungsprozess der eigenen Praxis ermöglichen, eher selten angeboten werden.

Wer nimmt an der Fortbildung teil?
Wer nimmt an der Fortbildung teil?

In Bezug auf die Adressatengruppen lassen sich zwei Analyseebenen unterscheiden: zum einen, an welche Personengruppe insgesamt sich die Fortbildung richtet – von einzelnen Lehrkräften bis hin zu ganzen Kollegien –, zum anderen, für welche Schulstufe bzw. Schulform sie gedacht ist. Das Ergebnis verwundert wenig: Im überwiegenden Teil (58 Prozent) handelte es sich um einzelne Lehrkräfte. Das pädagogische Personal wurde in immerhin 15 Prozent der Maßnahmen angesprochen; Schulleitungen und ganze Kollegien in jeweils 9 Prozent der Fälle (vgl. Abbildung 2).

Inhaltlich dominieren die Vermittlung von sonderpädagogischem Fachwissen (45 Prozent) und von inklusiver Unterrichtsentwicklung (24 Prozent), während Teamarbeit nur in 10 Prozent und inklusive Schulentwicklung nur in 9 Prozent der Fälle im Vordergrund steht.

Fazit

Die Analyse der Maßnahmen zeigt, dass sich Fortbildung häufig noch an Einzelpersonen richtet und vor allem zunächst einer zügigen Information zur Ausgestaltung der anstehenden Bildungsreformen im Bereich Inklusion dient. Die Kriterien zur Wirksamkeit und Nachhaltigkeit guter Fortbildung zeigen jedoch, dass es gerade im Bereich Inklusion nicht ausreicht, wenn einzelne Akteure ihr berufliches Wissen erweitern und ihr Können verbessern. Fortbildungen werden nur dann wirksam, wenn sie im Prozess der Schulentwicklung, mit dem Ziel einer inklusiven Schule geplant und durchgeführt werden. Wenn sie in einen institutionellen und kollegialen Kontext eingebettet sind, können sie maßgeblich zu einer systematischen Unterrichts- und Qualitätsentwicklung der gesamten Schule beitragen.

Die vollständige Studie finden Sie hier zum Herunterladen als PDF-Datei

 


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