Inklusionsanteile im Ländervergleich

Wie kommt Inklusion in die Fläche?

Inklusionsanteile im Ländervergleich
Inklusionsanteile im Ländervergleich

Seit 2009 zeichnet der Jakob Muth-Preis unter dem Motto „Gemeinsam lernen – mit und ohne Behinderung“ Schulen aus, die sich auf den Weg zur Inklusion gemacht haben.  Annähernd 400 solcher Schulen finden sich mittlerweile auf der Landkarte des Preises (vgl. www.jakobmuthpreis.de). Über die Leuchttürme einzelner inklusiver Schulen hinaus wird Inklusion in der Fläche allerdings nur vorankommen, wenn an drei Stellen angesetzt wird: an der Kultur im Umgang mit Vielfalt, an den Rahmenbedingungen und an den Kompetenzen der Lehrkräfte.

a.    Inklusion erfordert einen Kulturwandel in Gesellschaft und Schule

Bisher dominierte in der Gesellschaft und im Schulsystem die Überzeugung, dass Kinder am besten in möglichst homogenen Lerngruppen lernen. Inklusion wird aber nur gelingen, wenn Vielfalt als Chance für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt  gesehen wird und Schule sich entsprechend auf Heterogenität als Normalität einstellt.  Ein solcher Perspektivwechsel ist auch die Voraussetzung für ein gemeinsames Verständnis der Bundesländer, welche inhaltlichen Konzepte und Ressourcen das gemeinsame Lernen benötigt, um erfolgreich zu sein.

b.    Inklusion braucht Ressourcen

Solange das Doppelsystem aus Regel- und Förderschulen in der heutigen Form besteht, ist erfolgreiche Inklusion schwierig, weil die Förderschulen jene Ressourcen binden, die dringend für den gemeinsamen Unterricht benötigt werden. Klaus Klemm hat in einer Studie für die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass – selbst wenn die Mittel der derzeitigen Förderschulen weitgehend zu den Regelschulen umgeschichtet würden – bundesweit jährlich 660 Millionen Euro für 9.300 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden, um inklusiven Unterricht in angemessener Qualität anzubieten (Klemm 2012). Die Annahme dabei war, dass 100 Prozent der Förderschüler mit den Schwerpunkten Lernen, Sprache und Emotionale Entwicklung und 50 Prozent der anderen Förderschüler inkludiert werden. Für die einzelnen Bundesländer wird der Umbau ihrer Schulsysteme auf inklusiven Unterricht unterschiedlich teuer. Abhängig sind die Kosten von der jeweiligen demographischen Entwicklung. Während in den westlichen Bundesländern im kommenden Jahrzehnt die Schülerzahlen zurückgehen, steigen sie in den meisten östlichen Bundesländern und Stadtstaaten. Vor allem Länder wie Berlin, Hamburg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, die mehr Schüler als heute erwarten, müssen vergleichsweise große Anstrengungen unternehmen, um genügend Lehrkräfte für das gemeinsame Lernen bereitzustellen.

c.    Inklusion geht nur mit kompetenten Lehrkräften

Inklusion ist nur mit den Lehrkräften möglich. Die Regelschulen brauchen die Kompetenzen der Sonderpädagogen, um Förderschüler angemessen unterrichten zu können. Aber auch die Regelschullehrer müssen ihre Kompetenzen erweitern, um ihren Unterricht auf die Vielfalt der Schülerschaft besser einzustellen und jedes Kind individuell fördern zu können. Ohne eine Weiterbildungsoffensive wird es nicht gehen. Nicht zuletzt muss sich auch die Lehrerausbildung verändern: Denn, so zeigt es der Lehrermonitor, Inklusion spielt dort immer noch keine größere Rolle: nur in etwa einem Fünftel der befragten Hochschulen existieren die Themen „Inklusion“ und „Heterogenität“ als verpflichtende Studienschwerpunkte und werden als solche explizit im Zeugnis als spezielle Qualifikation ausgewiesen. (vgl. www.monitor-lehrerbildung.de).

Literatur und weitere Quellen:
Bertelsmann Stiftung, Beauftragter für die Belange behinderter Menschen, Deutsche UNESCO-Kommission, Sinn-Stiftung (Hrsg.): Gemeinsam lernen – Auf dem Weg zu einer inklusiven Schule. 2. Auflage. Gütersloh 2012.

Klemm, Klaus: Inklusion in Deutschland – eine bildungsstatistische Analyse. Gütersloh 2013.

Klemm, Klaus: Zusätzliche Ausgaben für ein inklusives Schulsystem in Deutschland. Gütersloh 2012.

Muth, Jakob: Gemeinsamkeit von Behinderten und Nichtbehinderten in der Erziehung. Studienbrief der Fernuniversität Hagen. Hagen 1984.

Internetseite zum Jakob Muth-Preis: http://www.jakobmuthpreis.de/


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