Wenig Computernutzung an deutschen Schulen

Bei der Computernutzung im Unterricht nimmt Deutschland im internationalen Vergleich einen hinteren Platz ein. Dies geht aus der International Computer and Information Literacy Study kurz (ICILS) hervor. Kein anderes Medium hat in den letzten Jahren mehr an Bedeutung gewonnen als das Internet. Der Computer und das Internet haben einen festen Platz im Alltag unserer Kinder und Jugendlichen eingenommen. Aus diesem Grund sollte man annehmen, dass die Digitalisierung auch in unseren Schulen Einzug hält. Doch in der Realität sieht das anders aus. Obwohl Deutschland ein hochtechnisiertes Land ist, wird der Nutzung digitaler Medien jedoch keine hohe Priorität beigemessen. Selbst in Ländern wie Chile oder Thailand kommt der Computer häufiger in der Schule zum Einsatz als bei uns in Deutschland. Insofern verwundert es nicht, dass Achtklässler in Deutschland bei den computerbezogenen Kompetenzen im internationalen Vergleich nur mittelmäßig abschneiden.

Abb. 3: Computer- und informationsbezogene Kompetenzen deutscher Schüler im internationalen Vergleich
Abb. 3: Computer- und informationsbezogene Kompetenzen deutscher Schüler im internationalen Vergleich

Aber woran liegt es, dass Lehrkräfte so zurückhaltend beim Einsatz digitaler Medien im Klassenzimmer sind? Häufig hapert es schon an den einfachen Dingen, die man benötigt, um digitale Medien im Unterricht zu nutzen. Gut 40 Prozent der Lehrkräfte, die hier zu Lande eine achte Klasse unterrichten, geben an, dass die technische Ausstattung an ihren Schulen veraltet oder der Internetzugang nur eingeschränkt nutzbar ist. Betrachtet man im Hinblick auf die Anzahl der verfügbaren Computer an unseren Schulen rückblickend die letzten zehn Jahre, so kann festgestellt werden, dass sich vergleichsweise wenig an dieser Situation geändert hat. Auch scheint eine große Unsicherheit der Lehrkräfte zu bestehen, diese neuen Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. Denn weiterhin ist der ICILS-Studie zu entnehmen, dass die deutschen Lehrkräfte im internationalen Vergleich eine geringere Bereitschaft haben, digitale Medien in ihren Unterricht einzusetzen und auch zu wenig an entsprechenden Fort- und Weiterbildungen teilnehmen. Vermehrt liegt es daran, dass sie befürchten, dass der Einsatz digitaler Medien für technische Probleme oder eine starke Ablenkung von fachlichen Inhalten seitens der Schüler sorge. Auch bestünde die Gefahr, dass die Anzahl der Plagiate steigen oder sich die digitalen Medien negativ auf die Entwicklung sprachlicher und mathematischer Grundfertigkeiten ausüben würden. Zum anderen müsste langfristig gesehen die technische Ausstattung an den Schulen modernisiert werden, die sich dann technisch reibungslos und flexibel im Unterricht, unter der Berücksichtigung der pädagogischen Bedürfnisse, integrieren lassen. Auch die Angebote zur Fort- und Weiterbildung müssten verbessert werden, um die kompetenzorientierte Nutzung neuer Technologien zu gewährleisten. Hierbei sollte auch überlegt werden, ob es auf Dauer ausreichend ist, nur einzelne Fort- und/oder Weiterbildungen zu besuchen oder eine kontinuierliche Professionalisierung des Kollegiums ermöglicht werden sollte, die dem zeitlichen und technischen Wandel begleitet. Denn neben methodisch-didaktischen Kompetenzen und dem fachlichen Wissen sollten Lehrkräfte auch technische Fähigkeiten besitzen bzw. selbst medienkompetent sein. Um dem kurzfristigen Mangel an technischen Geräten entgegenzuwirken, könnte das Konzept „Bring Your Own Device“ (BYOD) Abhilfe schaffen. Das Konzept steht dafür, dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Geräte wie Handys, iPads, Laptops oder Notebooks mit zur Schule nehmen und im schulischen Kontext auch benutzen dürfen. So wäre zumindest garantiert, dass genügend technische Geräte vorhanden wären. Denn ohne eine adäquate IT-Ausstattung an den Schulen und eine entsprechende Qualifikation von Lehrkräften ist es kaum möglich, das didaktische Potenzial digitaler Medien im Schulunterricht zu nutzen. Schule wird mit den Chancen und Risiken digitaler Medien konfrontiert. Durch die Nutzung digitaler Medien im Alltag der Schüler sollte auch der Schulunterricht den Anschluss an die digitale Alltagswirklichkeit der Schüler schaffen. Daher liegt die Aufgabe der Schulen darin, die Schülerinnen und Schüler zu einem kompetenten Umgang mit den digitalen Medien zu befähigen. Unter richtigen Bedingungen und Einsatz können digitale Medien dazu beitragen, die individuellen Potenziale der Schüler zu entfalten und ihre Medienkompetenz zu fördern.


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