Digital-Pakt#D

Chancen der Digitalisierung für individuelle Förderung im Unterricht – zehn gute Beispiele aus der Schulpraxis

Im Juni hatte ich hier im Blog zu einer Blogparade („Mit digitalen Medien besser lernen?“) aufgerufen – und war überwältigt von der Resonanz. Viele Beiträge und Kommentare zur Blogparade waren so spannend und anregend, dass ich im Folgenden die Idee hatte, eine Sammlung von Fallbeispielen zusammenzutragen, um gute Praxis konkret und anschaulich darzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dank für die Erstellung der Praxisbeispiele gebührt Jöran Muuß-Merholz, der für die einzelnen Case-Studies themenzentrierte, halbstrukturierte-leitfadenorientierte Intensivinterviews geführt hat. Der thematische Fokus lag dabei auf der Frage, inwieweit der Medieneinsatz konkret zur Binnendifferenzierung des Unterrichts und zur Individualisierung des Lernens beiträgt. Die Interviews wurden im Juli und August 2015 geführt, teils Face to Face, überwiegend fernmündlich.

Die Auswahl der zehn Lehrerinnen und Lehrer orientierte sich daran, ein möglichst breites Gesamtbild zu zeigen, also Praxis aus verschiedenen Schulfächern, Schultypen, Bundesländern und Altersstufen abzubilden. Selbstverständlich kann bei zehn Fällen kein Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität gestellt werden. Vielmehr soll ein Schlaglicht auf gute Praxis geworfen werden: Die Beispiele sollen konkret und anschaulich zeigen, wie schon heute digitale Medien in den Schulalltag integriert werden können, um individuelle Förderung zu stärken. Großer Dank geht an die zehn Interviewpartner, die mit uns in großer Offenheit und mit hohem Engagement zusammengearbeitet haben.

1

Zehn Lehrkräfte von der Nordseeinsel bis zur Schweiz

Zehn Beispiele können keinen Anspruch auf Vollständigkeit geben. Aber anders herum gilt: Schon zehn Beispiele zeigen, wie groß die Vielfalt ist, mit der digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden können.

  1. Das erste Beispiel führt in eine Realschule nach Bayern, wo Schulleiter Markus Bölling Unterricht zeigt, in denen 100 Prozent der Schüler aktiv sind. Wie genau das aussieht, zeigen Beispiele aus den Fächern Biologie, Mathe, Englisch und Deutsch. » Hier geht’s zum Praxisbeispiel im Volltext
  2. Von Bayern springen wir zur Insel Langeoog, auf der es insgesamt 48 Schüler im Grundschulalter gibt. Ihre Lehrerin Christiane Schicke macht deutlich, dass digitale Medien nicht „nur ein Werkzeug“ sind: „Wir können damit buchstäblich die Welt auf unsere Insel und in unsere Klasse holen.“ » Hier geht’s zum Praxisbeispiel im Volltext
  3. In Hamburg arbeitet Lisa Rosa, die mit verschiedenen Schulen groß angelegte Blogprojekte durchgeführt hat, zum Beispiel zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Rosa argumentiert gegen die in Schulen verbreitete Filtersoftware und für eine Ersetzung des Begriffs „Individualisierung“ durch „Personalisierung“ des Lernens.
  4. „Digitale Medien helfen nicht bei der Individualisierung – sie ermöglichen die konsequente Individualisierung erst!“ Das sagt Daniel Bernsen, Lehrer für Geschichte, Französisch, Spanisch an einem Gymnasium in Koblenz. Seine Beispiele zeigen, dass Geschichte und Medienbildung vieles gemeinsam haben.
  5. Wenn Monika Heusinger Spanisch und Französisch in Saarbrücken unterrichtet, dann setzt sie konsequent auf digitale Medien. Die Digitalisierung steigert Effizienz, Authentizität und nicht zuletzt die Motivation der Schüler: „Das ist ihr natürlicher Weg, den sie auch zu Hause gehen, wenn sie Informationen suchen. Das fördert die Motivation enorm!“
  6. Achim Lebert ist Schulleiter in München. Er ist selbst unter den Pionieren ein alter Hase. „Im Jahr 2001 unterrichtete ich das erste Mal in einer Notebookklasse. Nach einem Jahr hielt ich diese Form des Arbeitens für absoluten Unsinn. Heute ist das Arbeiten in solchen Klassen für mich zur Selbstverständlichkeit geworden. Das Unterrichten in alten Formen fällt mir zunehmend schwer.“
  7. In Wuppertal besuchen wir eine neugegründete Gesamtschule und sprechen mit Lehrer Felix Schaumburg. Er setzt auf das „Universalwerkzeug Tablet“, mit dem er eine große Ausweitung von Themen und Lernwegen ermöglicht: „Ich habe alles zur Verfügung und kaum noch Limitierungen.“
  8. Zwei konkrete Projekte stehen im Zentrum des Fallbeispiels von Mandy Schütze, Lehrerin im fränkischen Gerabronn. Mit einem „Ethik-Blog“ und einem „Geographie-Wiki“ arbeitet sie an Möglichkeiten, mit denen Schulklassen ihre Arbeit nicht mehr in 28 getrennten Schulheften, sondern gemeinsam dokumentieren.
  9. Ein Beispiel aus der Beruflichen Bildung kommt aus Kassel, wo Heinz Dieter Hirth die Selbstorganisation der Lernenden auf die Spitze treibt. Für ihn ist die Didaktik auch eine Frage von Mündigkeit: „Die Lernenden müssen erstmal ihre Konsumhaltung ablegen. Sie sollen ihren Lernprozess aktiv gestalten. Sie müssen ‚Prosumenten’ werden.“
  10. Im letzten Beispiel schauen wir auf die Arbeit von Philippe Wampfler, der Deutsch und Philosophie in der Schweiz unterrichtet. Für Wampfler steht das Schreiben im Mittelpunkt: „Wichtig ist mir, dass die Schüler überhaupt schreiben. Sie sollen viel schreiben – mehr als ich jemals korrigieren kann!“

Jedes der zehn Beispiele enthält Szenarien für den Einsatz digitaler Medien im Fachunterricht sowie didaktisch-methodischen Überlegungen, die ausschlaggebend für den Medieneinsatz waren.

Die zehn Praxisbeispiele können als Textsammlung im Volltext hier heruntergeladen werden: Zehn Beispiele aus der Schulpraxis [pdf, 4MB]

Die einzelnen Beiträge stehen unter der Lizenz CC BY SA 4.0. Als Autor soll Jöran Muuß-Merholz im Auftrag der Bertelsmann Stiftung genannt werden.


Kommentar verfassen