Welche Kompetenzen benötigen wir im 21. Jahrhundert?

Globale Trends wie die zunehmende Digitalisierung, der Klimawandel oder auch rasante Fortschritte im Bereich künstlicher Intelligenz verändern unsere Welt und unsere Lebensrealität nachhaltig. Je mehr neues Wissen generiert und in Echtzeit verfügbar ist, desto eher wird uns auch bewusst, was wir eigentlich nicht wissen. All diese Entwicklungen bieten eine Vielzahl an Chancen, jedoch führen sie auch zu Unsicherheit und Ungleichheit.

Um diese neue Welt zu beschreiben, hat sich zu Beginn der 1990er der Begriff VUCA herauskristallisiert. Eine Welt voller Volatilität (volatility), Unsicherheit (uncertainty), Komplexität (complexity) und Ambiguität (ambiguity).

Aus Sicht von Schule stellen sich dabei natürlich viele Fragen. Zwei Fragen mit großer Relevanz sind:

1) Welche Kompetenzen werden wir in Zukunft benötigen, um erfolgreich in dieser neuen Realität navigieren und ein glückliches Leben führen zu können?

2) Wie können diese Kompetenzen in- und außerhalb der Schule vermittelt werden?

Unter anderem hat sich die OECD über die letzten vier Jahre der ersten dieser beiden Fragen gewidmet und in einem Stakeholder-Prozess, also unter Einbeziehung von Lehrkräften, Schüler*innen, politischen Akteuren und zivilgesellschaftlichen Organisationen, eine Vision für Bildung im Jahre 2030 anhand eines Kompetenzrahmens entwickelt.

Aus dem Prozess entstanden ist der OECD Learning Compass:

Der Name Learning Compass verweist dabei bereits auf einen der wichtigsten Aspekte innerhalb dieses neuen Kompetenzrahmens für Lernen im 21. Jahrhundert. Ein Kompass kann immer nur eine Orientierung geben, navigieren müssen wir jedoch selbst. Genauso müssen Schüler*innen in die Lage versetzt werden, eigenständig diese neue und komplexe Welt zu verstehen und zu navigieren. Der Begriff ‘‘Student Agency‘‘ ist hier das Wort der Stunde, also die aktive Teilhabe und Mitgestaltung von Schüler*innen am Lernprozess, anstatt sturer Befolgung von Anweisungen und Vorgaben der Lehrer*innen.

Allerdings bedarf es einer gewissen Basis an Wissen, Fähigkeiten, Haltungen und Werten, um überhaupt aktive Teilhabe zu gestalten und darüber hinaus vertiefende Kompetenzen aufbauen zu können. Diese Basis bilden im Learning Compass die sogenannten ‘‘Core Foundations‘‘. Dies sind einerseits die mathematische, sprachliche und digitale Bildung, aber auch sozio-emotionale Fähigkeiten und Stabilität.

Aufbauend auf die soeben beschriebene Basis können Schüler*innen nun die sogenannten ‘‘Transformative Competencies‘‘ entwickeln. Diese befähigen dazu, eine aktive, selbstbestimmte und gestalterische Rolle in der Welt einzunehmen. Die drei transformativen Kompetenzen sind: Neue Werte schaffen (Creating New Value), Verantwortung übernehmen (Taking Responsibility) und mit Druck und Konflikten umzugehen (Reconciling Tensions and Dilemmas).

Wenn neue Kompetenzen in den Vordergrund treten und an Wichtigkeit gewinnen, bedarf es meist auch neuen Formen und Prozessen des Lernens. Dies wird im Learning Compass mit Hilfe des ‘‘AAR-Cycle‘‘, also dem Kreislauf von Antizipation, Aktion und Reflexion, beschrieben. Die Aktionsforschung ist seit den 1980ern populär und immer wieder wird untersucht, wie sich dieser Ansatz auf die Weiterentwicklung von Lehrkräften auswirkt. Um jedoch die transformativen Kompetenzen erfolgreich zu entwickeln, wird es auch für Schüler*innen unerlässlich Geschehnisse zu antizipieren, eigene Handlungen zu reflektieren und bei Bedarf zu adaptieren.

Im Laufe der vierjährigen Entwicklung des Learning Compass haben die Teilnehmenden Akteure aus den Mitgliedsländern der OECD einerseits ein breites Zielbild an Kompetenzen für das Jahr 2030 entwickelt, aber auch eine gemeinsame und übergeordnete Vision: gesellschaftliches und individuelles Wohlergehen (‘‘well-being‘‘). Dabei hat sich seit langem die Ansicht durchgesetzt, dass der Begriff well-being nicht mehr nur ökonomisch gedacht werden darf, sondern eben auch Bildung, Sicherheitsbefinden, Zufriedenheit, Gesundheit, Umwelt und zivilgesellschaftliches Engagement einschließt.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Bereichen des Learning Compass und dem gesamten Projekt findet ihr hier:

http://www.oecd.org/education/2030-project/teaching-and-learning/learning/learning-compass-2030/

 

Welche Kompetenzen werden eurer Meinung nach im 21. Jahrhundert immer wichtiger? Und habt ihr dazu auch schon Beispiele aus der Praxis?


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